Heute haben Jacques und ich das Hörverstehen geübt.

Ich habe einen Text vorgelesen,

und Jacques musste Fragen beantworten.

Das ist der Text:

 

Ein kurioser „Luxemburger“

Wilhelm Voigt war ein Schuhmacher.

Er wurde 1849 in Ostpreußen (heute Masuren in Polen) geboren.

Er war arm, und so machte er kriminelle Dinge, z. B. Einbrüche.

Deshalb verbrachte er viele Jahre im Gefängnis und musste

Ostpreußen schließlich verlassen.

Er ging nach Berlin, wohnte bei seiner Schwester

und arbeitete illegal als Schuhmacher.

Wegen seiner kriminellen Vergangenheit bekam er in Berlin

keine Aufenthaltsgenehmigung.

So begann ein Teufelskreis:

keine Wohnung, keine Arbeit - keine Arbeit, keine Wohnung.

Wilhelm brauchte Geld - und er hatte eine Idee.

Es war das Jahr 1906:

Er kaufte eine alte Offiziersuniform.

Als „Hauptmann“ rekrutierte er auf der Straße ein paar Soldaten.

Mit den Soldaten besetzte er das Rathaus von Köpenick bei Berlin,

verhaftete den Bürgermeister und nahm das Geld aus der Stadtkasse.

Diese Aktion konnte natürlich nur funktionieren,

weil die Leute in Deutschland einen absurden Respekt

vor Uniformen hatten.

Wilhelms Aktion im Rathaus wurde durch die Presse

in ganz Europa bekannt.

Alle lachten, und Wilhelm konnte seine Bekanntheit als

„Hauptmann von Köpenick“ zu Geld machen.

Aber in Berlin konnte er natürlich nicht bleiben.

Schließlich bekam er einen Pass von Luxemburg.

Er zog dorthin, heiratete und bekam eine Tochter.

Er war jetzt ziemlich reich, und so war er einer der ersten,

die in Luxemburg ein Auto hatten.

Als er schließlich starb, kamen zufällig einige französische Soldaten

zu seiner Beerdigung.

Man sagte ihnen: „Das ist der Hauptmann von Köpenick!“,

und weil die Franzosen seine Geschichte nicht kannten

(und weil sie vielleicht auch einen absurden Respekt vor Uniformen

hatten), starteten sie ein militärisches Zeremoniell

für den „Hauptmann“, der eigentlich nie einer war.

Wilhelms Geschichte wurde zum Thema

von vielen Theaterstücken und Filmen.

 

... Alles verstanden?